PORNORAMA. EIN MÄNNERMÄRCHEN

Fotocredit Yasmina Haddad
Fotocredit Yasmina Haddad

PORNORAMA. Ein Männermärchen

 

von und mit Karen Köhler

eine Lecture-Performance oder so was in der Art

 

Eine Frau dringt ein in eine von Männern medialisierte Welt.

 

(Dingdong)
Wer ist da?
Hier ist der Klempner.
Oh, kommen Sie doch rein!
Hi.
Hi.
Warum liegt denn da ein Wirsing auf dem Tisch?
Das weiß ich nicht, aber könnten Sie mich bitte mal durchbumsen?
Na, dann wolln wir das Rohr mal verlegen…

 

 

Inszenierung: Fanny Brunner
Ko-Produktion mit dreizehnterjanuar.com / Kooperation mit GARAGE-X.at

 

Uraufführung 16. Juli 2010, Fundamental Monodrama Festival Luxemburg

 

 

 

ZUM STÜCK:
Ich stelle mich auf der Bühne auch als Arschloch zur Verfügung.

 

 „Porn ist für mich in erster Linie Industrie mit Jahresumsätzen, deren Höhen mich schwindelig machen, denn wieviel ist bitteschön eine Milliarde Dollar, wieviel sind 97 Milliarden? Porn ist knallharter Kapitalismus. Da geht es um Maximierung des Profites, da werden eigentlich die männlichen Konsumenten gemolken wie Blattläuse von Ameisen. Porno ist ein profitorientiertes Märchen. Ein Männermärchen. Und Pornografie ist eine der wenigen Branchen, in der Frauen mehr verdienen als Männer. Obwohl 8 von 10 Internetklicks Pornoklicks sind, ist Porn immer noch ein Tabuthema, das von Frauen umschifft wird und über das Männer und Frauen miteinander nicht sprechen. Oder nur sehr wenig. Ich gehe davon aus, dass eigentlich jeder Mann Porno konsumiert und ich will mich nicht hinstellen und sagen: Böseböse. Darum geht es nicht. Gibt ja auch genügend Frauen, die sagen, dass sie´s geil finden. Aber ich persönlich hocke nicht vorm Computer und rubbel mir einen ab. Ich funktioniere offensichtlich anders.“

 

(Karen Köhler, Text und Performance)

 

 

 

 Wir haben die Kunst des Miteinander-Spielens verlernt.
„Unser Alltag ist zu einem Funktionsraum geworden, der nach ökonomischen Gesichtspunkten strukturiert ist und stark patriarchale Züge trägt. Gefühle und Empathie haben nur insoweit Platz, wie sie als Manipulations-Werkzeug dem eigenen Vorteil dienen. Das verkümmernde Bedürfnis nach menschlicher Nähe wird - ganz der verqueren Marktlogik folgend - dort befriedigt, wo Befriedigung unkompliziert als Ware angeboten wird: in der Pornografie. Dass es dabei allerdings noch weiter verstümmelt wird setzt eine Dynamik in Gang, die man am treffendsten als "unersättliche Unzufriedenheit" bezeichnen könnte. Die konsequenter Weise natürlich immer unersättlicher wird, je unbefriedigter sie bleibt - hier haben wir den Grundzug des Kapitalismus offen vor uns liegen und starren - mehr geschlecht als recht - in die Abgründe einer entmenschlichten Maschinerie.

 Und hierin liegt auch eine der Stärken dieses Themas, dass wir nämlich über die Pornografie ungeschönte Einblicke in die Funktionsweisen eines kaputten Systems erhalten, das längst ausser Kontrolle geraten und im Begriff ist, alles mit sich in den Abgrund hinunterzureissen ... - wie geil ist das denn?!“
(Fanny Brunner, Regie)

 

 

 „Wirklich charmant, ohne erhobenen Zeigefinger, sondern teilweise brüllkomisch und dann wieder knallhartfaktenrealistisch. Und ich habe selbst viel über Porno gelernt, ohne mich wie in einer Schulstunde zu fühlen, so à la „Jetzt erzählt die weise Frau Köhler mir mal, was für ein armseliger, y-chromosomaler Schwanzlurch ich bin.“ Das eben gerade nicht.“ (Daniel Kasselmann, freier Dramaturg, Ruhrgebiet)

 

„Zwei Freunde beim gemeinsamen Videoabend. Sagt der eine: "Eh warum gucken wir den Porno rückwärts an?" Darauf der Andere: "Ich find die Stelle so geil, wo die Nutte dem Freier sein Geld wieder gibt!“

 

 Man muss die Dinge bis zum Äußersten treiben, bis zu jenem Punkt, an dem sie sich von selbst ins Gegenteil verkehren und in sich zusammenstürzen. Jean Baudrillard