im Spielzeitheft des DNT Weimar 2013/14

Deine Helden-Meine Träume

von Karen Köhler

Regie: Sebastian Martin

Uraufführung: 05.12. 2013 Premiere

 

Wenn du ein Superheld wärst, welche Fähigkeiten hättest du?

Wenn ich ein Superheld wäre, könnte ich die Zeit anhalten. Kurz bevor etwas Schlimmes passiert würde ich meine Arme in Pose werfen und, zack: Anhalten ... Kurz bevor der Vater austickt. Kurz bevor man die Klassenarbeit abgeben muss. Kurz bevor jemand mir die Fresse polieren will. Oder ich jemand anderem. Zack: Anhalten. Kurz noch ma´ nachdenken...

 

Vom Nationaltheater Weimar habe ich für die Spielzeit 2013/14 einen Schreibauftrag erhalten. Ich werde ein „Klassenzimmerstück für Schüler im Alter zwischen 11und 15 Jahren“ schreiben. Also ein Theaterstück für einen Schauspieler, der damit dann in den Schulen, im Klassenzimmer auftritt.

 

Oder ich könnte machen, dass alle mich respektieren. Wenn ich etwas sage, wird mir ab sofort auch zugehört. Oder ich könnte Leute in mich verliebt machen.

 

Unter dem Arbeitstitel „Deine Helden-Meine Träume“ habe ich angefangen, Material für das Stück zu sammeln. Ich bin Autorin und lebe in Hamburg. Was also weiß ich über die 11-15jährigen aus Weimar und Umgebung. Nüscht. Also relativ wenig. Deswegen habe ich mich entschieden, diese Schüler aus Weimar und Thüringen etwas kennenzulernen. Mich interessiert, was sie beschäftigt, wovor sie Angst haben, wer ihre Helden sind, ob sie Träume haben und was ihre Wünsche sind. Um das herauszufinden, habe ich einen Fragebogen entworfen, mit dem ich die Schüler selbst befragen will. Ihre Antworten fließen dann direkt thematisch in das Stück mit ein.

 

Was bedeutet Heimat für dich? Sehnst du dich sich danach? Und wenn ja warum? Gar nicht so einfach. Heimat ist für mich ein Ort an dem alles vertraut ist. Aber auch ein innerer Ort, an dem ich mich nicht erklären muss. Heimat ist für mich nicht an ein Gebiet gebunden. Dazu war ich in meinem Leben schon an zu vielen Orten.

 

Ich frage die Schüler nach Familie, Heimat, nach Gewalterfahrungen, nach ihrer Musik, ihren Interessen und wovor sie Angst haben. Ich frage danach, was sie ankotzt. Ich möchte an Orte gelangen, die unbequem sind. An die Quelle von Wut und Angst und Ohnmacht. Die kann im familiären Umfeld begründet sein, aber auch im gesellschaftlichen. Wir leben in einer Welt, die unsere Verführbarkeit bis zur Perversion ausnutzt. Auf dem Altar der Profitmaximierung werden täglich unsere Bedürfnisse geopfert. Unser konsumierfähiges Ego wird aufgebauscht und ins Zentrum eines Welterlebens gerückt, das sich immer schneller dreht. Wir sind täglich einer Vielzahl von Information und Möglichkeiten ausgesetzt, gerade im digitalen Raum leben wir in permanenter Überforderung. Die Welt ändert sich in rasantem Tempo, wir müssen uns permanent entscheiden. Wer nicht konsumfähig ist fliegt raus. Wie also, ist es, heute in dieser Welt aufzuwachsen? Und was passiert, wenn starke Strukturen anfangen dazu eine Alternative zu bilden?

 

Superheldenfähigkeiten hab ich leider keine. Aber ich werde ein Stück schreiben. Für Weimar und Thüringen. Und ich freu mich darauf.

Karen Köhler